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ADS – Das “verträumt sein” und die eigenen Träume

ADS-Betroffenen ohne Hyperaktivität sind häufig mit ihren Gedanken „woanders“ und werden daher oft als Träumer bezeichnet. Dieses Träumen kann verschiedene Ursachen haben und in verschiedenen Hinsichten nützlich aber auch gefährlich sein.

 

ADS / ADHS und die Aufmerksamkeitsspanne

Die Aufmerksamkeitsspanne bei Kindern beträgt ca. 20 Minuten, bei Erwachsenen max. 60 Minuten, es sei denn, sie ist besonders trainiert. In dieser Zeit kann eine intensive Konzentration auf eine Sache stattfinden, danach braucht das Gehirn eine kurze oder längere Pause. Bei Betroffenen von ADS / ADHS ist die Konzentrationsfähigkeit oft kürzer und / oder Sie brauchen längere Pausen zwischen den Phasen intensiver Konzentration. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass das Gehirn von Kindern und Erwachsenen mit ADS / ADHS Informationen ungefilterter aufnimmt und sich daher mehr anstrengen muss andere Reize auszublenden, wenn eine intensive Fokussierung stattfindet. Ist die Konzentration erschöpft, braucht jeder eine Phase der Erholung. Diese Erholungsphase ist bei ADS / ADHS-Betroffenen meist häufiger notwendig, dauert länger und diesen Menschen fällt die Erholung allgemein schwerer. Sie werden schnell unruhig (Hyperaktivität, ADHS) oder „träumen sich weg“ (ADS).

 

ADS und das Träumen

Das Träumen ist eine wichtige Funktion des Gehirns, ganz besonders bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen. Der ADS-Betroffene kann so abschalten und für einen kurzen Moment dem Alltag entfliehen und neue Kraft sammeln.

Die Herausforderung für viele Kinder und Erwachsene mit ADS ist, wieder aus dem Träumen heraus- und in den Alltag zurück zu kommen. Hier kann das Umfeld, wie Partner, Eltern, Lehrer, Mitbewohner, eine große Unterstützung sein – vorausgesetzt, dem ADS-Betroffenen mit seinen Eigenarten wird Respekt und Würdigung entgegen gebracht. Abwertung, Beschimpfung und Beschuldigungen sind auf keinen Fall angebracht! Sätze wie „Typisch, du mit deinem ADS, immer bist du mit deinen Gedanken woanders“ wirken demotivierend, entwürdigend und verletzend. Entsprechende Strategien für den ADS-Betroffenen selbst, aber auch für Angehörige und Betreuer können im Coaching erlernt werden.

 

Was sind die Träume des Verträumten?

Welche Träume haben SIE? Trauen Sie sich überhaupt zu träumen?

Fragt man einen ADS-Betroffenen: „Hey, wovon träumst du?“, kann er das manchmal gar nicht beantworten. Dennoch – das Träumen ist für viele Kinder und Erwachsene mit ADS ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Persönlichkeit – wird es abgewertet fühlt sich der Betroffenen oft degradiert. Träumen kann Flucht aus dem allzu stressigen Alltag sein, Träumen kann von Sehnsucht zeugen, Träumen kann ein Ausdruck einer wundervollen Phantasie sein.

Jeder Mensch hat Träume – sie sind ihm immanent. Gleiches gilt auch für Menschen mit ADS, nur vielleicht noch etwas stärker. Sie wegzuschieben bedeutet einen Teil der Seele einzusperren. Trotzdem bleibt natürlich die Herausforderung den Alltag zu bewältigen und in der Realität verankert zu sein.

 

Mit seinen Träumen in Kontakt kommen bedeutet, mit sich selbst in Kontakt kommen

Sinnvoll kann es aber dennoch sein, mit den Träumen in Kontakt zu kommen und sie dann in den Alltag zu integrieren. Für den ADS-Betroffenen selbst, aber auch für die Menschen des Umfeldes. Leben bedeutet Begegnung – wenn ich den Träumen eines Menschen mit ADS begegne, dann begegne ich ihm auf einer tiefen Ebene. Träume geben Aufschluss darüber, was überfordert, wonach sich ein von ADS-Betroffener sehnt, welche Ziele für ihn erstrebenswert sind. Träume zeigen Ängste, Sehnsüchte, aber auch Stärken auf, können Unbewusstes bewusst machen und daher ein wesentlicher Ausgangpunkt für eine bessere Bewältigung des Alltags sein. Wenn ich einem verträumten ADS-Betroffenen auf dieser Ebenen begegne, kann ich ihm helfen von dort zurück in den Alltag zu finden. Missachte ich seine Träumerei der ADS-Persönlichkeit, entsteht ein Spannungsfeld, das in der Regel das Vertrauen und den Respekt in der zwischenmenschlichen Beziehung stört. Da Kinder wie Erwachsenen mit ADS oft eine besonders ausgeprägte Kreativität aufweisen, eignen sich kreative Methoden, wie Kunst, Musik, Tanz oder auch das Schreiben besonders dafür, den inneren Träumen Bedürfnissen zu begegnen.

Ganz wichtig ist hierbei ist eine feste Struktur, die dem ADS-Betroffenen Freiraum lässt, aber auch Halt bietet. Es gibt eine Zeit für das Träumen und eine Zeit für das Handeln – hier gilt es klare Grenzen zu setzen und einzuhalten. Das Träumen und die Beschäftigung damit – bewusst gestaltet – kann für Menschen mit ADS eine Kraftquelle und eine wichtige Hilfe für die Bewältigung des Alltags sein. Es kann ADS-Betroffenen helfen sich über die eigenen Bedürfnisse, Überforderungen, Schwächen und Stärken, Wünsche, Sehnsüchte und Ziele bewusst zu werden und Impulse geben den Alltag in Einklang mit diesen zu Gestalten.

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