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Eine kritische Betrachtung der ADHS-Diagnose


 
 
Die ADHS-Diagnose ist in aller Munde und ADHS wird allgemein als medizinische Störung und damit als Krankheit bezeichnet. Es gibt alternative Ansätze mit verschiedenen Erklärungsmodellen, die im Verhalten der Betroffenen einfach nur eine Andersartigkeit sehen. Doch wie kommt es zur medizinischen ADHS-Diagnose?

 

ADHS-Diagnose im ICD 10 / DSM IV

Der ICD 10 und DSM IV sind Diagnoserahmen, die Krankheiten klassifizieren und Krankheitskriterien festlegen. Diese Diagnoserahmen sind notwendig, um die medizinisch anerkannte ADHS-Diagnose zu stellen. Eine ADHS-Diagnose wiederum ist erforderlich, wenn Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch genommen werden möchten. Wie wird also ADHS laut IDC 10 und DSM IV definiert und klassifiziert? Die Kriterien für die ADHS-Diagnose sind in beiden Diagnoserahmen nahezu identisch und umfassen im Wesentlichen drei Hauptkategorien: Aufmerksamkeit, Impulsivität und Konzentrationsschwäche.

 

Der Weg zur ADHS-Diagnose

Der Wunsch, eine ADHS-Diagnose zu prüfen, kommt bei betroffenen Kindern meist von Lehrern oder Eltern, weil das Kind “auffälliges” Verhalten zeigt. Im Diagnoseverfahren werden meist die Kriterien des DSM IV oder darauf aufbauender Fragebögen genutzt. Erhärtet sich hier der Verdacht einer ADHS-Diagnose, finden meist weitere Tests und Untersuchungen statt.

 

Das Verfahren der ADHS-Diagnose in der Kritik

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht dabei jedoch keine medizinische Untersuchung, obwohl ADHS von Medizinern meist als Funktionsstörung im Gehirn bezeichnet wird. Für die ADHS-Diagnose ist jedoch ausschließlich das Verhalten des Betroffenen relevant. Zumindest wenn es um ein Kind geht, wird beim Verfahren der ADHS-Diagnose das Verhalten von externen Personen subjektiv beurteilt und ins Verhältnis zur subjektiven Norm gesetzt. Inwieweit das Ergebnis eine “Störung” des Betroffenen reflektiert oder vielmehr die Wertemaßstäbe des Betrachters, ist höchst fraglich. Alles, was nicht erwünscht ist kann als Störung bezeichnet werden. Die Kriterien der ADHS-Diagnose im DSM IV verwenden bei nahezu allen Verhaltensmerkmalen, die vom Betroffenen erfüllt werden müssen, das Wort “häufig”, z.B. “[Er / sie] unterbricht und stört andere häufig”. Wie kann man “häufig” definieren? Einmal ganz zu schweigen von der Frage, was denn “stört andere” bedeutet.

Für eine ADHS-Diagnose müssen die Auffälligkeiten mindestens sechs Monate bestehen. Im Umkehrschluss heißt das: Jegliches Verhalten, das länger als sechs Monate besteht, wird dem Charakter zugeschrieben. Andere Ursachen, z.B. Überforderung eines Kindes durch Missbrauch oder Scheidung der Eltern, finden keine Berücksichtigung mehr. Die ADHS-Diagnose entsteht auch oft durch eine “Ausschlussdiagnose” nach dem Motto: Wenn es keine andere Ursache gibt [d.h. zu geben scheint] muss es ADHS sein. Wobei anzumerken ist, dass bei der ADHS-Diagnose andere Ursachen nicht immer in Betracht gezogen werden, da man primär nach erhärtenden Faktoren sucht.

Anzumerken in diesem Zusammenhang ist auch, dass viele in diesen Prozess involvierten Fachleute ein Interesse daran haben, dass sich die ADHS-Diagnose bestätigt. Ein Facharzt verdient Geld durch das Behandeln und Verordnen von Medikamenten; eine Lehrerin hofft womöglich, durch das verordnen von Ritalin würde das Kind ruhiger und der Schulalltag damit leichter. Natürlich ist es falsch, ein persönliches oder wirtschaftliches Interesse von vorneherein zu unterstellen! Nein, dafür gibt es zu viele Menschen, die Ihre Arbeit im Interesse des Kindes oder erwachsenen Klienten wirklich gut machen. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch legitim, die Sichtweise und Interessen der anderen zu betrachten.

 

Fazit

Schauen Sie ruhig genau und individuell, was Ihnen oder Ihrem Kind in der jeweiligen Situation weiter hilft. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und hören Sie sich ruhig verschiedenen Meinungen an. Hören Sie dabei auch auf Ihre Intuition! Andere mögen Fachleute für ADHS sein, aber der beste Fachmann / die beste Fachfrau für Ihr eigenes Wohlergehen und das Ihrer Familie sind meistens Sie selbst!

 
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