Wiesbaden - Frankfurt - Mainz - online

Menschen mit Hyperaktivitaet – (k)ein Störfaktor!?

 

 

 

ADHS-Betroffene mit Hyperaktivitaet werden häufig als extrem unruhig oder „zappelig“ erlebt, was sich störend auf das Umfeld und die Mitmenschen auswirken kann. Ein hyperaktiver Mensch, gleich ob Kind oder Erwachsener, der z.B. häufig ohne Unterlass redet, körperlich unruhig ist, nicht still sitzen kann, mit seinen Gedanken „woanders“ ist, oftmals nicht richtig zuhört und die Grenze seines Gegenübers kaum wahrnimmt und daher dazu tendiert, diese zu überschreiten, ein solcher Mensch kann sehr anstrengend sein.

 

Hyperaktivitaet – der / die Betroffene und das Umfeld

Wie fühlt man sich in der Gegenwart eines Kindes oder eines Erwachsenen mit Hyperaktivitaet?

  • „Ich werde selbst unruhig, werde von der Hyperaktivitaet angesteckt.“
  • „Ich fühle mich nicht wahrgenommen, der Betroffenen von Hyperaktivitaet ist immer nur bei sich selbst und nimmt die Bedürfnisse der Anderen gar nicht wahr.“
  • „Ich bin durch die Unruhe abgelenkt, kann mich selbst nicht mehr konzentrieren.“
  • „Ich werde wütend, weil ich Alles dreimal sagen muss.“

Das sind Beispiele von Antworten, die von den Mitmenschen häufig kommen. Hyperaktivitaet wirkt auf diese oft störend. Dies wiederum führt leicht dazu, den Betroffenen von Hyperaktivitaet zu pathologisieren und zu behaupten, das mit ihm etwas nicht stimmt. Doch was zunächst einmal passiert, ist ein neutraler Vorgang:

Michael neigt zu Hyperaktivitaet und zappelt am Essenstisch herum.

Seine Mutter schimpft mit ihm: „Michael, sitz still.“

Seine Schwester motzt: „Michael, immer musst du nur reden, das will keiner hören.“

Sein Vater ermahnt ihn: „Michael, es wird nicht aufgestanden, bevor der Teller leer ist. Sonst isst du zukünftig alleine auf deinem Zimmer.“

Michael fühlt sich ungerecht behandelt, schließlich ist es nicht seine Absicht, jemanden mit seiner Hyperaktivitaet zu stören. Er wird traurig und / oder aggressiv. „Jeder hackt auf mir herum. Nie mache ich etwas richtig. Ich bin falsch.“ Michaels Selbstbewusstsein sinkt.

Seine Eltern sind verzweifelt. Schließlich wollen Sie einfach nur in Ruhe Essen. „Was haben wir bloß falsch gemacht?“

Was hier passiert, ist zunächst einmal nur ein Wechselspiel von Aktion – Reaktion – Gegenreaktion. Es ist eine soziale Interaktion, wie Sie tagtäglich stattfindet und soziale Interaktionen sind wichtig für jeden Menschen und für die kindliche Entwicklung im Besonderen.

Im Rahmen eines Coachings, gibt es vielfältige Möglichkeiten, solche oder ähnliche Situationen, die vielfach bei Hyperaktivitaet auftreten, zu betrachten, zu ändern und den Betroffenen zu helfen, besser mit der Situation umzugehen.

Was jedoch auffällt ist, dass die Herausforderung nicht die Hyperaktivitaet als solches ist, sondern die Wirkung, die diese Hyperaktivitaet auf Andere hat. Hier ist es die für das Umfeld einfachste Möglichkeit, die Hyperaktivitaet als Krankheit zu titulieren, einhergehend häufig mit einer Degradierung des Betroffenen, und dementsprechend zu versuchen, dies Hyperaktivitaet zu therapieren und / oder den Betroffenen umzuerziehen. Denn Hyperaktivitaet wirkt nun einmal häufig störend auf Andere.

 

Ist es gerechtfertigt, einen Menschen mit Hyperaktivitaet ändern zu wollen, bloß weil er mich stört?

Dies ist eine äußerst komplexe und vielschichtige Frage, die uns in Bereiche von Psychologie, Philosophie, Ethik, Moral, Erziehungswissenschaften, usw. bringt. Ich möchte dies nicht diskutieren und nicht beantworten. Ich möchte zum Nachdenken anregen. Natürlich hat jeder ein Recht auf Ruhe, wenn er Ruhe braucht, auf eine Pause, wenn er gerade nicht mehr Aufnahmefähig für den Redeschwall eines Hyperaktiven ist. Auf der anderen Seite hat auch der Mensch mit Hyperaktivitaet ein Recht darauf „sein zu dürfen“, akzeptiert zu werden, sich auszuleben und auszudrücken. Im Coaching gibt es vielfältige Möglichkeiten, diesbezüglich Strategien und Lösungsansätze zu entwickeln, mit denen beide Seiten gut leben können. Für mich stellt sich noch eine andere Frage:

 

Wie kann ein Betroffener seine Hyperaktivität in eine sinnvolle und zielgerichtete Aktivität bringen?

Das Wort „Hyperaktivitaet“ beinhaltet „hyper“ = zuviel und damit eine Diffamierung der Betroffenen. Menschen mit Hyperaktivität sind aktiv, doch wem obliegt es zu entscheiden, ob diese Aktivität hyper, hypo oder einfach ganz normal ist? Aktivität kann etwas sehr Positives sein, insbesondere in einer Gesellschaft, die auf Leistung getrimmt ist. Ist es daher nicht sinnvoll Wege zu finden, diese Hoch-Aktivität auszudrücken, zu kanalisieren und daraus etwas Wundervolles entstehen zu lassen? Ich halte es für sinnvoll. Und vor Allem: Ich halte es für möglich!
 
 
Über ADHS – Beratung und Coaching Wiesbaden, Frankfurt, Mainz, Rhein-Main – und auch online

- AD(H)S -


Informationen, aktuelle Veranstaltungen und Tipps für Ihren Alltag!

 

 

 

Similar posts
  • ADHS in der Gesellschaft: Werden unse... Verschiedene Sichtweisen auf ADHS In der heutigen Zeit wird immer öfter davon ausgegangen, dass Kinder psychisch krank sind. Eng damit verbunden ist dann die Diagnose ADHS oder auch ADS. Die Einstellungen zu dem Thema ADHS in der Gesellschaft sind geteilt. Viele Menschen gehen davon aus, dass lebhafte Kinder, die einfach nur viel mehr Temperament wie [...]
  • Eine kritische Betrachtung der ADHS-D...     Die ADHS-Diagnose ist in aller Munde und ADHS wird allgemein als medizinische Störung und damit als Krankheit bezeichnet. Es gibt alternative Ansätze mit verschiedenen Erklärungsmodellen, die im Verhalten der Betroffenen einfach nur eine Andersartigkeit sehen. Doch wie kommt es zur medizinischen ADHS-Diagnose?   ADHS-Diagnose im ICD 10 / DSM IV Der ICD 10 [...]
  • ADS – eine andere Art, die Welt...         ADHS – eine Krankheit, eine Störung, ein Verhalten, eine Modeerscheinung, ein medizinisches, psychologisches, pädagogisches oder gesellschaftliches Phänomen? Die Erklärungsansätze sind vielfältig. Doch Wenige begeistern mit einer solch überraschenden und unkoventionellen Sichweise wie Thom Hartmann in seinem Buch “Eine andere Art, die Welt zu sehen”.   Thom Hartmann und AD(H)S Journalist, Entwicklungshelfer, [...]
  • ADHS in der Schule: Probleme hier = P...   ADHS in der Schule – eine oft große Herausforderung. Während Erwachsene ihr Leben viel freier gestalten können, werden an ADHS-Kinder besonders in der Schule ganz klare Anforderungen gestellt, mit deren Erfüllung sie oftmals Schwierigkeiten haben. Sie sollen z.B. still sitzen, dabei sind ADHS-Kinder voller Tatendrang, Neugierde und Kreativität. Kinder mit ADHS in der Schule – [...]
  • ADHS gibt es gar nicht?         ADHS gibt es gar nicht? Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr das Thema AD(H)S die Gemüter erhitzt. Viele Menschen haben viele Meinungen und argumentieren jeweils aus ihrer eigenen Sichtweise. Ein Standpunkt ist, dass ADHS / ADS  eine Erfindung der Pharmaindustrie sei. ADHS gibt es gar nicht, wird dann behauptet. Daher auch [...]

Zur Zeit keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

- AD(H)S -

Informationen, aktuelle Veranstaltungen und Tipps für Ihren Alltag!

- Burnout -

Informationen, aktuelle Veranstaltungen und Tipps für Ihren Alltag!

ADHS / ADS

Link to my Facebook Page
Link to my Linkedin Page
Link to my Rss Page
Link to my Twitter Page

Burnout

Link to my Facebook Page
Link to my Linkedin Page
Link to my Rss Page
Link to my Twitter Page